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Literarische Fotografie

Zu vielen Fotos gibt es ja Hintergrundgeschichten oder eine nette Anekdote zu erzählen.
Meistens bleiben diese besonderen Erinnerungen aber im Kopf des Fotografen. Auch zu diesem Foto gibts eine Geschichte und die will ich euch gern erzählen:

Ich war mit einem Freund (Gianluca, waschechter Italiener) in Macerata in der Region Marken unterwegs. Wir wollten uns die alte Bibliothek, die nicht öffentlich zugänglich ist, ansehen. Gianluca fragte also einen Mitarbeiter, ob es möglich ist, einen Blick hinein zu werfen. Das sei gar kein Problem, antwortete dieser, schnappte sich einen dicken Schlüsselbund, führt uns durch eine dicke Holztür in die Bibliothek und startete sofort mit jeder Menge Erläuterungen. Mein Freund unterbrach den italienischen Redeschwall des äußerst netten Bibliothekars, mit dem Hinweis, dass ich Deutsche sei. Ein kurzes Innehalten, Nicken und ein verständiger Blick liessen mich erwarten, dass die Ausführungen nun auf Englisch weitergehen. Weit gefehlt, es sprudelten munter weiter italienische Worte hervor, jedoch wurde das Sprachtempo etwas reduziert, die Wortwahl
vereinfacht und mit noch mehr Gesten unterstrichen. In etwa wie wenn man mit einem Kleinkind spricht. Mein Italienisch ist zwar alles andere als perfekt, aber ich behaupte mal 90 Prozent des halbstündigen Vortrags verstanden zu haben. Ich war wirklich beeindruckt von diesem Ort, der besonderen Atmosphäre und der Schönheit der unterschiedlichen Leseräume.

Als Signore dann am Ende seiner Erläuterungen kurz Luft holte, konnte ich ihn schnell fragen,
(natürlich auch auf Italienisch), ob er mir denn erlauben würde ein paar Fotos zu machen.
„Si, si, certo!“ war genau die Antwort, die ich hören wollte!

Ein paar schöne Aufnahmen zu machen, stellte sich als fotografische Herausforderung dar.
Erstens waren die Lichtverhältnisse alles andere als ausgeglichen. Die Bücherregale lagen eher im Schatten, weil die Fenster als Schutz der Bücher vor Sonnenstrahlen verhangen waren und die Deckengemälde wurden hell angestrahlt. Zweitens musste ich die Aufnahmen Freihand machen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Fotografieren überhaupt erlaubt ist und hatte daher mein Stativ nicht dabei.  Und drittens stand der stolze Bibliothekar immer direkt neben mir und wollte mir Tipps geben, aus welchem Winkel ich noch ein Foto machen solle.  Blieb also nicht viel Zeit um über den besten Bildaufbau nachzudenken oder unterschiedliche Kameraeinstellungen zu testen. Ich hab dann das freudige italienische Geplapper ausgeblendet, freundlich gelächelt,
ab und zu verständig genickt und versucht die Atmosphäre im Bild zu bannen.

Nach einer recht umfänglichen Bildbearbeitung bin ich aber mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Und wenn ich die Fotos betrachte, muss ich unverzüglich lächeln, da ich an die dazugehörige
Geschichte denken muss.

Biblioteca door

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